komplott

1999 - 2026
Independent Music Label

Culturmag - Hanna Hartman - H^2 review

By Tina Manske (TM)

Die in Berlin lebende schwedische Klangkünstlerin und Komponistin Hanna Hartman folgt einem strengen Konzept: alle ihre Werke basieren auf sogenannten 'authentischen' Sounds, also Feldaufnahmen, die sie auf ihren Reisen an die verschiedenste Orte dieser Welt aufgenommen hat. Indem sie diese Sounds ihrem Umfeld entreißt und in einen neuen Zusammenhang stellt (und durchaus auch produktionstechnisch verändert - es geht hier nicht um 'Natürlichkeit'), kreiert sie faszinierende Klangkunst, kreiert etwas, das es vorher noch nicht gab. Bestes und aufs erste Hören nachhaltig verstörenstes Beispiel auf ihrem neuen Album "h^2" ist der Track "Circling Blue", der das Gerausch eines seine Runden drehenden Formel-Eins-Fahrzeugs mit dem Gesang einer Operndiva kurzschließt. Dabei entsteht ein fantastisches Horerlebnis, das endlich einmal tatsächlich diesen Namen verdient und dabei auch noch extrem ironisch und witzig ist. Aber auch das Tschirpen der Schwalben im Sommer bekommt bei Hartman eine Qualität, die über reines Berührtsein weit hinausgeht. Nach dem Hören von "h^2" und all den anderen Hartman-Werken hört man seine gesamte Umwelt mit anderen, mit aufmerksameren Ohren. Wie der Performance-Künstler Genesis P-Orridge bereits (so oder so ähnlich) sagte: alle Realität ist letztlich nur Rohmaterial. P-Orridge dürfte ein großer Fan von Hanna Hartman sein, denn sie macht das Beste aus solchen Realitaten - Hyperrealitat.
Release: escudre16
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